Inspiration für den Alltag: “Nicht den Mut verlieren“

Von Dennis Engel / 9. Juni, 2020

Heute gibt es wieder einen Blogbeitrag, der sich mit dem Thema “Mut” beschäftigt. Als der letzte Artikel hier im Blog veröffentlicht wurde, befanden wir uns noch im sogenannten “Lockdown”. Plötzlich hielt alles an und nichts ging mehr seinen gewohnten Gang. Nun ist alles wieder zum größten Teil geöffnet und gelockert. Nur das mit dem Abstand halten und dem Mundschutz tragen ist noch geblieben. Von Normalität kann man nicht sprechen. Man befindet sich in einer Art “Dazwischen”. Zwischen Unklarheit und das Leben geht weiter. Aktuell ist in den Medien das Thema “Rassismus” sehr präsent, da es in den USA einem schlimmen Rassismus-Fall gegeben hat. Nicht nur das die Natur uns gerade mit Covid 19 in Atem hält. Nein auch wie Menschen einander behandeln, lässt einen sehr verzweifeln und traurig werden. Ständig erleben wir in der Gesellschaft eine sehr starke Polarisierung. Weiß und Schwarz, Demokratie und Nationalismus, Für Klimaschutz gegen Klimaschutz. Dies sind nur einige Beispiele dafür. Wie schaffen wir es trotzdem nicht den Mut zu verlieren? Weiter voller Zuversicht zu sein und die Güte des menschenlichen Herzens zu spüren?

Indem neuen Buch von Pema Chödrön, gibt es ein Kapitel mit dem Namen “Nicht den Mut verlieren”. Dort gibt es eine kleine Anleitung, wie man mit Polarisierung umgehen und praktizieren kann:

…In einem ersten Schritt suche ich nach Polarisierungstendenzen in mir selbst. Ich muss also genug Mut aufbringen, um das Gefühl der Verletzlichkeit angesichts meiner eigenen Neurosen zu spüren und damit standhaft auszuharren, ohne zusammenzubrechen oder mich zu verstecken. Wenn ich ehrlich nach Polarisierung in mir selbst suche, finde ich eine Menge Unnachgiebigkeit und Das-Problem-bei-den-anderen-Sehen. Ich stelle fest, das ich andere oft als Gegner betrachte, die nur Fehler haben – im Gegensatz zu meiner eigenen Fehlerlosigkeit. Oft hat man mich schon darauf aufmerksam gemacht, dass ich solche Gewohnheiten habe, aber wenn ich nicht näher hinsehe, erkenne ich sie nicht.

Nachdem ich meine eigenen Gewohnheiten in den Fokus gerückt habe, wecke ich in mir das starke Bestreben, alles zu tun, um der Welt keine weitere Polarisierung mehr hinzuzufügen. So kann ich meine Handlungen in einen größeren Zusammenhang stellen. Ich reagiere nicht mehr reflexartig auf das, was mich ärgert. Sobald ich dieses Bestreben in mir geweckt habe,  kann ich leichter ein Gegenmittel gegen das unangenehme Gefühl einsetzen, das mich in Richtung Polarisierung drängen will…

aus dem Buch: „Das Unwillkommene Willkommen heißen“ – von Pema Chödrön

Pema Chödrön beschreibt in diesen Zeilen sehr schön, wie wir auch in dieser schwierigen Zeit nicht vergessen sollten, weiter mit den Umständen und den Situationen, in denen wir uns befinden, zu praktizieren. Ob es die Praxis der liebende Güte ist oder Shamatha Meditation oder auch die Tonglen Praxis. Als praktizierende Buddhist*innen oder Shambhala Krieger*innen haben wir Methoden und Werkzeuge an der Hand, die uns helfen, immer wieder zum spüren zurückzukommen, um uns so nicht in eine Abwärtsspirale zu bewegen. So können wir uns wieder mehr Richtung Vertrauen und Zuversicht bewegen und die Schönheit und Güte des menschlichen Herzen sehen und fühlen.

Zum Schluß noch ein Gedicht von Mario Benedetti:

Gib nicht auf!

Gib nicht auf, auch du wirst rechtzeitig etwas erreichen oder etwas Neues beginnen,
wirst deine Schatten akzeptieren, deine Ängste begraben,
dich von Lasten befreien, den Flug wieder aufnehmen,
gib nicht auf, das Leben ist eben so, du wirst
die Reise weiterführen, deine Träume verfolgen,
die Zeit losmachen, den Staub aufwirbeln,
den Himmel öffnen.

Gib nicht auf, bitte, gib nicht nach,
auch wenn die Kälte brennt, auch wenn die Angst beißt,
auch wenn die Sonne sich versteckt und der Wind verstummt.
Du hast trotzdem noch Feuer in deiner Seele, du hast noch Träume in deinem Leben.

Weil es dein Leben ist und dein Wunsch ebenso,
weil du es geliebt hast und weil ich dich liebe,
weil es Wein und Liebe gibt, ganz sicher.
Weil es keine Wunden gibt, die die Zeit nicht heilt.
Öffne die Türen, entferne die Schlösser,
verzichte auf die Mauern, die dich beschützt haben,
lebe deine Leben und akzeptiere die Herausforderung.

Das Lächeln zurückgewinnen, ein Lied versuchen,
die Deckung fallen lassen und die Hände ausstrecken,
die Flügel öffnen und von Neuem versuchen,
das Leben feiern und die Himmel wieder aufnehmen.

Wünsche Euch allen, trotz dieser nicht so einfachen Zeit, das Ihr nicht den Mut verliert und immer wieder den Kontakt zur grundlegenden Gutheit machen könnt.

Bis zum nächsten Mal!

 

Text: Dennis Engel / Pema Chödrön / Mario Benedetti
Bild:  Dennis Engel
Blog Redakteur: Dennis Engel

Dennis Engel ist 46 Jahre alt. Er ist Kundenbetreuer im Mobilfunkbereich und unterrichtet Freiberuflich Qi Gong, Achtsamkeit und Meditation. Seit 2008 ist er Mitglied bei Shambhala und durch Bücher von Pema Chödrön zum Shambhala Buddhismus gekommen. Er ist in der Kölner Shambhala Sangha als Meditationsanweiser und Nachwuchs-Lehrer aktiv. Außerdem ist er Redakteur des Shambhala Köln Blog. Seit 2020 ist er für die Programmplanung im Kölner Shambhala Buddhistischen Zentrum zuständig.