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Über Meditation

von Sakyong Mipham Rinpoche

Alle buddhistischen Traditionen pflegen die Praxis der Achtsamkeits/Gewahrseins Meditation. Darüber hinausgehend ist Achtsamkeit und Gewahrsein allen Menschen gleich zu eigen. Während der Meditation entdecken wir fortlaufend, wer und was wir sind. Das kann ziemlich beängstigend oder auch ziemlich langweilig sein, aber nach einer gewissen Zeit fällt das alles von uns ab. Wir geraten in eine Art natürlichen Rhythmus und entdecken unseren Geist und unser Herz.

Oft haben wir die Vorstellung, Meditation sei eine Art nicht-alltägliche, heilige, oder spirituelle Praxis. Dies ist eine der Grundannahmen, die wir während unserer Praxis überwinden müssen. Der Punkt ist, dass Meditation eine ganz normale Angelegenheit ist: wir haben es mit der Qualität von Achtsamkeit zu tun, die ohnehin in allem, was wir tun anwesend ist. Das Wichtigste, was der Buddha herausgefunden hat war, dass er er selbst sein konnte und zwar voll und ganz, hundertprozentig. Er hat die Meditation nicht erfunden, es gab nichts Spezielles zu erfinden. Der Buddha, der „Erwachte“ wachte auf, und es wurde ihm klar, dass er nichts anderes zu sein hatte, als er ohnehin schon war. In den gesamten buddhistischen Belehrungen geht es also darum, herauszufinden, wer wir sind.

Es ist eigentlich sehr direkt und geradeheraus, aber wir werden ständig davon abgelenkt, in unserem natürlichen Zustand, unserem natürlichen Sein zu verweilen. Im Laufe unseres Tages treibt uns alles von natürlicher Achtsamkeit, von Im-Moment-Sein weg. Wir sind entweder zu ängstlich, zu verlegen, zu stolz oder zu verrückt, um einfach zu sein, wer wir sind.

Das nennen wir die Reise oder den Pfad: ständig versuchen zu erkennen, dass wir uns entspannen können und sein können, wer wir sind. Meditationspraxis fängt also damit an, dass wir alles vereinfachen. Wir sitzen auf dem Kissen, folgen unserem Atem und beobachten unsere Gedanken. Wir vereinfachen unsere gesamte Situation.

Die Grundlage dieser speziellen Reise ist Achtsamkeits-/Gewahrseinspraxis, Sitzmeditation. Solange wir nicht in der Lage sind mit unserem Geist und unserem Körper in einer sehr einfachen Art und Weise umzugehen, brauchen wir gar nicht erst an die Praktiken der höheren Ebenen zu denken. Der Buddha, der alle möglichen Praktiken ausgeübt hatte, wurde nur dadurch zum Buddha, dass er saß. Er saß unter einem Baum und bewegte sich nicht. Er praktizierte genau so, wie wir es jetzt tun.

Es geht hier darum, unseren Geist zu zähmen. Wir versuchen alle möglichen Befürchtungen und Aufregungen, alle möglichen Gewohnheitsmuster zu überwinden, damit wir einfach mit uns selbst dasitzen können. Das Leben ist kompliziert, wir haben so ungeheuer viele Verantwortlichkeiten, aber der springende Punkt ist, dass wir total still sitzen müssen, um mit dem Fluss unseres Lebens in Verbindung zu bleiben. Es mag einem logischer vorkommen, immer schneller zu werden, aber hier reduzieren wir alles auf ein sehr einfaches Niveau.

Wir zähmen den Geist, indem wir die Technik der Achtsamkeit anwenden. Einfach ausgedrückt besteht Achtsamkeit darin, allen Einzelheiten völlige Aufmerksamkeit zu schenken. Wir sind völlig von dem Gefüge unseres Lebens, von der Beschaffenheit eines jeden Augenblicks vereinnahmt. Uns wird klar, dass unser Leben aus einzelnen Momenten besteht, und dass wir immer nur mit einem Moment nach dem nächsten umgehen können. Obwohl wir Erinnerungen an die Vergangenheit und Vorstellungen über die Zukunft haben, erfahren wir doch immer nur den gegenwärtigen Moment. Dies ist die einzige Möglichkeit, unser Leben voll und ganz zu erfahren. Vielleicht glauben wir, unser Leben wäre reicher, wenn wir über Vergangenheit und Zukunft nachdenken, aber wenn wir der gegenwärtigen Situation keine Aufmerksamkeit schenken, verpassen wir unser Leben. Wir können an der Vergangenheit nichts mehr verändern, selbst wenn wir sie wieder und wieder in Erinnerung rufen und unsere Zukunft liegt völlig im Ungewissen.

Achtsamkeitspraxis ist also die Praxis des Lebendig-Seins, des Am-Leben-Seins. Wenn wir über Meditationstechniken sprechen, dann sprechen wir über Lebenstechniken. Wir reden nicht über etwas von uns Getrenntes. Wenn wir davon reden achtsam zu sein und in einer achtsamen Weise zu leben, dann sprechen wir über die Praxis der Unmittelbarkeit oder Spontaneität.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es hier nicht darum geht, irgendeine höhere geistige Ebene zu erreichen. Wir sagen nicht, dass unsere gegenwärtige Situation wertlos ist. Stattdessen sagen wir, dass uns die gegenwärtige Situation völlig zur Verfügung steht, dass sie völlig offen ist, und dass wir dies mit Hilfe der Achtsamkeitspraxis erkennen können.

 

An dieser Stelle können wir uns der tatsächlichen Form der Praxis zuwenden. Zunächst ist es wichtig, wie wir uns zu dem Raum, in dem wir praktizieren und zu dem Kissen, auf dem wir praktizieren verhalten. Dort wo man sitzt, sollte für einen das Zentrum der Welt sein, das Zentrum des Universums. Es ist der Platz, an dem wir unsere geistige Gesundheit zum Ausdruck bringen und wenn wir uns hinsetzen, sollte das Kissen unser Thron sein.

Wenn wir sitzen geschieht dies mit einer Art von Stolz und Würde. Unsere Beine sind gekreuzt, die Schultern entspannt. Wir haben ein Gefühl für das, was oberhalb von uns ist, ein Gefühl , dass uns etwas hochzieht. Gleichzeitig fühlen wir den Boden, auf dem wir sitzen. Die Arme sollten bequem auf den Oberschenkeln ruhen. Wer nicht auf einem Kissen sitzen kann, setzt sich auf den Stuhl. Hauptsache man sitzt irgendwie entspannt.

Das Kinn ist ein wenig eingezogen, der Blick weich nach unten gerichtet, ungefähr 1,5 Meter vor uns auf den Boden, der Mund sollte leicht geöffnet sein. Grundsätzlich fühlen wir uns entspannt, würdevoll und zuversichtlich. Wenn du dich bewegen musst, bewegst du dich, veränderst du einfach deine Haltung ein klein wenig. Auf diese Weise gehen wir mit unserem Körper um.

Als nächstes – und dies ist eigentlich der einfachste Teil - gehen wir mit unserem Geist um. Die grundlegende Technik besteht darin, dass wir unseren Atem bemerken, dass wir allmählich ein Gefühl für unseren Atem entwickeln. Der Atem dient uns als Grundlage für die Achtsamkeitstechnik; er bringt uns in den Moment zurück, in die gegenwärtige Situation. Der Atem ist etwas Beständiges - andernfalls wäre es bereits zu spät!

Wir legen etwas mehr Nachdruck auf den Ausatem. Wir betonen den Atem nicht, wir verändern ihn nicht, wir bemerken ihn einfach. Wir bemerken, dass unser Atem hinausgeht und wenn wir einatmen, gibt es eine flüchtige Lücke, eine Pause. Wir lernen unsere Aufmerksamkeit auf den Atem zu richten und gleichzeitig lassen wir Raum in der Technik zu.

Obwohl das, was wir tun, eigentlich recht einfach ist, bemerken wir dann, dass unglaublich viele Ideen, Gedanken und Konzepte über das Leben und über die Praxis selbst durch unseren Kopf schwirren. Und mit all diesen Gedanken gehen wir so um, dass wir sie einfach als das benennen, was sie sind, Gedanken. Wir stellen einfach fest, dass wir denken und kehren dann zum Ausatem zurück. Wenn wir uns also gerade fragen, was wir mit dem Rest unseres Lebens anfangen sollen, dann nennen wir das einfach „denken“. Wenn wir uns fragen, was es wohl zum Mittagessen geben wird, nennen wir das einfach „denken“. Alles was auftaucht, nehmen wir freundlich wahr und lassen es dann wieder los.

Es gibt bei dieser Technik keine Ausnahmen, es gibt weder gute Gedanken, noch gibt es schlechte Gedanken. Wenn du gerade denkst, wie wundervoll Meditation doch ist, dann ist das immer noch „denken“. Wie phantastisch der Buddha war, immer noch „denken“. Ganz unabhängig davon, in welches Extrem du dich hineinbegibst, es ist einfach nur „denken“ und du kehrst zum Atem zurück.

In Anbetracht dieser vielen Gedanken ist es schwierig, im Moment zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen. In unserem Leben hat sich ein ganzer Schwall von Unwettern, Umständen und Emotionen aufgestaut, dieser versucht immer wieder, uns aus der Bahn zu werfen und uns unsere Beständigkeit zu rauben. Alle möglichen Dinge tauchen auf, aber sie werden als Gedanken etikettiert und dadurch werden wir nicht abgelenkt oder davongetragen. Das nennt man auch: im Sattel bleiben oder den Sitz halten, man lernt einfach, mit sich selbst umzugehen.

Diese Vorstellung, dass wir unseren Sitz einnehmen, können wir auch aufrechterhalten, wenn wir den Meditationsraum verlassen und unseren täglichen Beschäftigungen nachgehen. Wir erhalten ein Gefühl für Würde und Humor aufrecht und pflegen im Umgang mit den alltäglichen Dingen die gleiche Leichtigkeit, wie wir sie auch in der Meditation mit unseren Gedanken kultivieren. Im Sattel zu bleiben bedeutet nicht, dass wir steif sind und versuchen Felsen zu werden; es geht vielmehr darum , beweglich zu werden. Und so wie wir mit uns selbst und unseren Gedanken umgehen, so gehen wir auch mit der Welt um.

Das erste, was uns auffällt, wenn wir anfangen zu meditieren, ist wie wild die ganze Angelegenheit eigentlich ist – wie wild unser Geist und unser Leben sind. Aber wenn wir einen Geschmack von der Qualität des Zähmens bekommen, können wir mit uns sitzen bleiben und einen ungeheuren Reichtum an Möglichkeiten entdecken. Meditation bedeutet, dass wir sozusagen vor unserer eigenen Türe kehren, dass wir nachschauen, was wirklich zu unserer Verfügung steht und dadurch den Reichtum entdecken, der ohnehin schon existiert. Diesen Reichtum entdecken wir in einem fortlaufenden Prozess, von Moment zu Moment und wenn wir kontinuierlich mit unserer Praxis fortfahren, wird unser Gewahrsein schärfer und schärfer.

Im Grunde umhüllt die Achtsamkeit unser ganzes Leben. Dies ist die beste Methode, um unser Leben und die Heiligkeit aller Dinge wertzuschätzen. Wir bringen Achtsamkeit in eine Situation hinein und plötzlich wird sie lebendig. Diese Praxis durchdringt unser gesamtes Tun, sie lässt nichts aus. Achtsamkeit dringt durch Klang und Raum. Achtsamkeit ist eine hundertprozentige, umfassende Erfahrung.

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